Warum PPAP von OEMs und Tier-1-Kunden abgelehnt wird? Die häufigsten Ursachen und praxisnahe Wege zur Vermeidung

PPAP als reifegradtest für lieferanten – blechstanzen und darüber hinaus

Im OEM- und Tier-1-Umfeld ist PPAP in Projekten mit blechstanzen keine Formalität, sondern ein Instrument, dessen zentrales Ziel darin besteht, zu bestätigen, dass der Produktionsprozess stabil, wiederholbar und vollständig konform mit den Kundenanforderungen ist – bevor die Serienproduktion startet.

In der Praxis resultieren viele PPAP-Ablehnungen nicht aus „Fehlern in der Dokumentation“, sondern aus mangelnder Konsistenz zwischen der Dokumentation und dem realen Prozess (z. B. beim blechstanzen), unklar definierten Erwartungen oder einer unzureichenden Risikoanalyse in der Projektvorbereitungsphase.

Aus Sicht von Mikrostyk, tätig als Tier-2-Lieferant für Tier-1-Kunden, ist PPAP Bestandteil eines umfassenderen Qualitätsmanagementsystems und kein einmaliges „Paket zum Einreichen“.

 

 

PPAP nach AIAG und die realität bei OEMs / Tier 1

Das AIAG-PPAP-Handbuch bildet eine solide Grundlage, in realen Projekten legt jedoch nahezu jeder OEM und Tier-1-Kunde eigene customer specific requirements (CSR) fest. Diese umfassen unter anderem:

  • dedizierte PPAP-Checklisten,

  • Anforderungen an Kundenportale,

  • zusätzliche Prüfungen (z. B. cleanliness),

  • detaillierte Vorgaben zu Verpackung und Rückverfolgbarkeit,

  • individuelle Erwartungen an capability oder MSA.

Ein reifer Lieferant – nicht nur im Bereich blechstanzen – versteht PPAP daher nicht als bloße „AIAG-Konformität“, sondern als Antwort auf konkrete Kundenrisiken.

ppap; tłoczenie metali; blechstanzen

Die häufigsten Ursachen für PPAP-Ablehnungen – eine marktbezogene Perspektive

Die häufigsten Ursachen für PPAP-Ablehnungen – eine marktbezogene Perspektive

Aus Beobachtungen von Projekten für OEMs und Tier-1-Kunden (ohne Bezug auf Erfahrungen von Mikrostyk) lassen sich drei kritische Bereiche identifizieren, die besonders häufig auftreten.

1. Unvollständiges oder uneindeutiges Verständnis der Kundenanforderungen
In der Praxis führt dies zu:

  • fehlenden erforderlichen PPAP-Elementen,

  • falschen Dokumentformaten,

  • fehlenden Unterschriften, Datumsangaben oder Revisionsständen.

2. Capability unterhalb der Kundenerwartungen
Ein typisches Szenario sieht wie folgt aus:

  • der Prozess funktioniert formal (z. B. Blechstanzen, Schneiden oder andere Prozesse),

  • die Teile erfüllen die Maßanforderungen,

  • jedoch liegt Cp / Cpk < 1,33 für wesentliche Merkmale.

Die Ursache liegt nicht immer im Prozess selbst, sondern häufig in:

  • einer zu kurzen Serie für die Analyse,

  • unzureichend definierten Merkmalen,

  • fehlendem Nachweis der Prozessstabilität über die Zeit.

Für OEMs und Tier-1-Kunden ist Capability nicht nur eine statistische Kennzahl, sondern der Nachweis der Prozessbeherrschung.

3. Nichtkonformität des Produkts mit Zeichnung oder Spezifikation
Es kommt vor, dass trotz mehrfacher Versuche nicht alle Merkmale innerhalb der Zeichnungstoleranzen liegen und Abweichungen nicht eindeutig im PSW ausgewiesen sind.

Dies kann zu einer initialen PPAP-Ablehnung führen, die in der Praxis häufig den ersten Schritt einer fachlichen Diskussion über Toleranzen und Prozessfähigkeit darstellt.

jakość_laboratorium_quality2

Ein „formal vollständiger PPAP“ beim Blechstanzen, der dennoch scheitert

Es ist keine Seltenheit, dass ein PPAP alle geforderten Elemente enthält und dennoch Fragen oder Zweifel auf Kundenseite entstehen. Die häufigsten Ursachen sind:

  • uneindeutige Toleranzangaben in der Zeichnung,

  • unterschiedliche Interpretationen technischer Anforderungen,

  • fehlende eindeutige Zuordnung der Messergebnisse zu konkreten Kundenanforderungen.

Dies zeigt, dass PPAP in erster Linie ein technischer Dialog ist und erst in zweiter Linie eine Sammlung von Dokumenten.

PFMEA und Control Plan – Bereiche besonderer Aufmerksamkeit

Aus Sicht von OEMs und Tier-1-Kunden ist ein wesentliches Warnsignal die fehlende Konsistenz zwischen der PFMEA, dem Control Plan und dem tatsächlichen Prozessablauf.

Zu den am häufigsten beobachteten Marktproblemen zählen:

  • eine nach Änderungen nicht aktualisierte PFMEA,

  • ein Control Plan, der von der Produktionsrealität entkoppelt ist,

  • fehlende klare Verknüpfung von Risiken mit den angewendeten Kontrollmethoden.

In reifen Organisationen ist die PFMEA kein Dokument „für PPAP-Zwecke“, sondern ein lebendiges Instrument des Risikomanagements, das sich unmittelbar im Control Plan und in den Prozessanweisungen widerspiegelt.

Bereiche, die von OEMs und Tier-1-Kunden besonders intensiv geprüft werden

Jeder Kunde definiert eigene customer specific requirements (CSR), deren Umfang vom Projekt, der Branche und der Anwendung des Produkts abhängt. Am häufigsten umfassen sie unter anderem:

Cleanliness
Sind Anforderungen an die technische Sauberkeit definiert, erwarten Kunden insbesondere:

  • die Durchführung der Prüfungen gemäß der geltenden Norm und durch eine akkreditierte Stelle,

  • eine konsistente Methodik,

  • reproduzierbare Ergebnisse,

  • eine klare Verknüpfung mit dem Prozess.

Dies ist insbesondere in der Automobilindustrie von zentraler Bedeutung, wenn Kunden Prozesse wie das Blechstanzen einsetzen.

Packaging
Die Anforderungen können sich unter anderem beziehen auf:

  • vorgegebene Verpackungsabmessungen,

  • den Einsatz von Mehrwegverpackungen,

  • das maximal zulässige Gewicht einer Verpackungseinheit.

Traceability
Die Rückverfolgbarkeit muss in der Praxis funktionieren. OEMs und Tier-1-Kunden erwarten eine eindeutige Zuordnung von Chargen zur Produktion, klare Kennzeichnungen sowie Konsistenz entlang der gesamten Lieferkette.

Prozessänderungen und PPAP – Phasen erhöhten Risikos

Auch wenn Kunden in der Regel klar kommunizieren, wann ein neuer PPAP erforderlich ist, entstehen Risiken insbesondere bei Werkzeugänderungen und Anpassungen von Prozessparametern.

Reife Organisationen analysieren die Auswirkungen einer Änderung bereits, bevor der Kunde einen neuen PPAP anfordert – durch Aktualisierung der FMEA und Bewertung der Auswirkungen auf das Produkt.

Wie sich das Risiko von PPAP-Ablehnungen reduzieren lässt – ein systemischer Ansatz

Aus der Perspektive eines erfahrenen Tier-2-Lieferanten – insbesondere auf Basis unserer Erfahrung im Blechstanzen und in der Metallbearbeitung – sind drei Elemente entscheidend:

1. Risikobewusstsein statt reiner Checklisten-Erfüllung
Ein PPAP, das „gemäß AIAG“ erstellt wurde, reicht nicht aus, wenn customer specific requirements (CSR) und reale Kundenerwartungen nicht berücksichtigt werden.

2. PFMEA als Fundament, nicht als Formalität
Eine fundierte Risikoanalyse:

  • vermeidet Überraschungen,

  • strukturiert den Control Plan,

  • verkürzt den Freigabeprozess.

3. Prozessorientiertes statt dokumentenorientiertes Denken
OEMs und Tier-1-Kunden stellen im Kern eine Frage:

Versteht dieser Lieferant seinen Prozess?

Die PPAP-Dokumentation ist lediglich der Träger dieser Antwort.

PPAP als Element einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit

In reifen Geschäftsbeziehungen ist PPAP kein „Examen“, sondern eine Bestätigung des gemeinsamen Verständnisses von Prozess und Produkt. Lieferanten – nicht nur im Bereich Blechstanzen – die ihre Risiken kennen, customer specific requirements (CSR) verstehen und mit einer aktuellen FMEA arbeiten, werden in der Freigabephase nur selten von zusätzlichen Rückfragen überrascht.